Interview mit Andreas Breitenmoser

Geschäftsleiter/Inhaber, FINNSHOP AG




WTT YLA: Sie sind heute Geschäftsleiter und Inhaber der Unternehmung FINNSHOP AG. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion?

Andreas Breitenmoser: Die FINNSHOP AG ist ein Familenbetrieb mit Ostschweizer Wurzeln. Als solcher sind wir schlank organisiert. Da ist fast alles Chefsache. Ich bin ein eigentlicher Allrounder in leitender Funktion. Einen grossen Anteil in meinem Geschäftsalltag nehmen sicher die Mitarbeiter/innen ein, für die ich immer ein offenes Ohr habe. Daneben beschäftigt mich der Einkauf aber auch das Marketing sehr. Ich bin aber auch häufig an der Verkaufsfront anzutreffen.


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen?

Andreas Breitenmoser: Obwohl wir früh auf den veränderten Euro-Wechselkurs reagiert haben, ist diese Problematik nicht spurlos an uns vorbei gegangen. Unsere bestehende Kundschaft schätzt unser innovatives und qualitativ gutes Sortiment und die Beratung durch das kompetente und freundliche Personal. Diesen Service gilt es hochzuhalten, denn da wollen wir uns auch unterscheiden.


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen?

Andreas Breitenmoser: Nach dem Studium habe ich bei der MIGROS angeheuert, da ich mit dem Marketing-Abschluss auch unbedingt klassisches Konsumgüter-Marketing erleben wollte. Die Liebe zog mich dann nach Hong Kong, wo ich glücklicherweise bei einem noch grösseren Unternehmen, dem deutschen REWE Konzern unterkam. An beiden Orten durfte ich relativ rasch aufsteigen und habe so wirklich lehrreiche, aber auch sehr arbeitsintensive Jahre verbringen können.


WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten?

Andreas Breitenmoser: Ohne Studium in der Tasche, respektive vor allem dem Titel in der Hand, wäre der Einstieg beim grossen M sicherlich nicht auf derselben Stufe möglich gewesen. Danach ist dann aber vor allem der Erfolg im Job ausschlaggebend, ob man weiterkommt oder nicht. Bei der FINNSHOP AG bin ich dann schon mit der Aussicht eingestiegen, die Firma einmal zu übernehmen. Ansonsten wäre ich vielleicht noch immer in Hong Kong zu Hause.

WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen?

Andreas Breitenmoser: Fallen musste ich zwar nicht, Stolpersteine gab es aber schon. In Hong Kong war ich nicht als Expat eingestiegen, sondern musste mich erst beweisen. Nach knapp einem Jahr kam dann der Zusammenschluss mit COOP Schweiz und ich dufte eine ganze Einkaufsdivision leiten. Mit diesem Entscheid waren viele lokale Angestellte nicht ganz glücklich und ich musste mich doppelt und dreifach einsetzen, um meinen Mitarbeiter/Innen zu zeigen, dass ich nicht nur befördert wurde, weil ich ein weisses Gesicht habe. Glücklicherweise ist mir das geglückt und ich pflege noch immer guten Kontakt zu meinem alten Team und treffe mich auch jährlich mit ihnen.


WTT YLA: Sie haben 1997 das FHS-Studium Betriebsökonomie Vollzeit absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt?

Andreas Breitenmoser: Ganz ehrlich: Der Titel. Ohne Titel darf man sich auf gleicher Stufe nicht beweisen. Daneben fand ich aber auch die Führungslehre und die Lektionen in Psychologie sehr hilfreich. Als junge Führungsperson hilft das wirklich weiter. Natürlich konnte ich aber auch das theoretische Marketing-Wissen in der Praxis gut gebrauchen.


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen?

Andreas Breitenmoser: Ich würde kaum was ändern. Während der FHS war mein erklärtes Ziel das Durchkommen. Der Klassenbeste zu sein, hat mich nie interessiert. Ich wollte mit einem Minimum an zeitlichem Aufwand das Maximum erzielen. Durchgestartet bin ich erst später, im Job. Es fällt mir leichter, mich im Arbeitsalltag zu beweisen, als alleine Bücher zu wälzen.


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft?

Andreas Breitenmoser: Die Wirtschaftsfächer sind ein guter Grundstein. Mir sind aber eher die weichen Fächer wie Psychologie und Führungslehre in guter Erinnerung geblieben. Vielleicht sollte man dem auch noch ein Fach Wirtschaftsethik hinzufügen.


WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben?

Andreas Breitenmoser: Mir ist die Familie sehr wichtig, aber auch meine engsten Freunde. Es gibt wenige Momente, wo der Beruf zuerst kommt. Grundsätzlich steht aber ganz klar die Familie an erster Stelle und das soll auch so bleiben.


WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin?

Andreas Breitenmoser: Es ist ein grosser Vorteil der Fachhochschule, dass vor allem die Wirtschaft mit Praxisprojekten eingebunden wird. Der WTT Young Leader Award stellt sicher, dass das auch der Öffentlichkeit bewusst wird. Die Unternehmen wissen den Wert von Praxisprojekten ja schon länger zu schätzen.


WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!