Interview mit Jos Reto Bernet

Mitglied des Senior Managements / CFO, AXA Winterthur, St.Gallen





WTT YLA: Sie sind heute Mitglied des Senior Managements / CFO bei der Unternehmung AXA Winterthur in St.Gallen. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion?

Jos-Reto Bernet: Im CFO Bereich bin ich zuständig für die Berechnung der latenten Steuern unter IFRS sowie für alle Reportings, welche mit Steuern zu tun haben. Im weiteren bin ich noch verantwortlich für die Konzerndarlehen und die Administration der wesentlichen Beteiligungen.


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen?

Jos-Reto Bernet: Zurzeit ist die grösste Herausforderung die Einführung einer neuen Buchungsplattform. Die AXA Gruppe zentralisiert die Systeme in acht Ländern. Ab 1. Januar 2013 treten wir dieser Plattform bei und müssen uns nun darauf vorbereiten. Es gibt noch einige Unklarheiten, die behoben werden müssen. Im Bereich der Steuern bringt FATCA, die Besteuerung von so genannten US-Tax Persons, die auch nicht in den USA ansässig sind, neue Herausforderungen. Wir sind angehalten zu melden, wenn ein amerikanischer Staatsbürger eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommt, dies den US-Steuerbehörden zu melden. Wenn die US Tax Person das nicht will, müssen wir die Policen auf kurz oder lang auflösen.


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen?

Jos-Reto Bernet: Vor 13 Jahren bin ich in die damalige Winterthur eingetreten und bin in der Steuerabteilung gefördert worden und nach 7 Jahren ins Senior Management aufgenommen worden.


WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten?

Jos-Reto Bernet: Hier ist mein Weg vielleicht nicht so aussagekräftig. Was man sagen kann ist, dass Beziehungen pflegen immer von Bedeutung ist. Das fachliche Know How ist Voraussetzung. Sicherlich hilft auch zusätzliches Engagement, um auf sich aufmerksam zu machen.


WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen?

Jos-Reto Bernet: Explizite Stolpersteine hatte ich keine zu umkurven. Ein gutes und authentisches Auftreten hilft sehr um erfolgreich zu sein. Man soll immer sich selbst sein, das kommt auf kurz oder lang am besten an.


WTT YLA: Sie haben 1999 das FHS-Studium Betriebsökonomie Vollzeit absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt?

Jos-Reto Bernet: Das Austrittsjahr 1999 war ein gutes Jahr. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen waren damals sehr gut, um in einen Betrieb einsteigen zu können.


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen?

Jos-Reto Bernet: Für mich ist es eigentlich gut gelaufen, und ich bin zufrieden wie es ist. Ich würde mir höchstens überlegen etwas anderes wie zum Beispiel Geschichte zu studieren, aber das wäre dann wieder schwieriger bei der Jobsuche gewesen.


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft?

Jos-Reto Bernet: In den Hochschulen wurde in den letzten Jahren vermehrt auf so genannte Projektarbeiten hin gezielt, dies wird aber schon fast etwas übertrieben.
Ganz simpel gesagt finde ich es auch wichtig, dass die Muttersprache Deutsch gezielter ausgebildet wird. Viele Hochschulabgänger haben zum Teil erstaunlich grosse Mängel im schriftlichen Deutsch. Sie haben Probleme einen normalen Brief oder ein Memo zu verfassen.


WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben?

Jos-Reto Bernet: Die Workbalance zu halten ist ungemein wichtig. Wenn man zu lange über die persönliche Belastung arbeitet, brennt man sehr schnell aus. Natürlich liegt die persönliche Belastung bei jedem an einem anderen Ort, aber es ist wichtig, dass man so genannte Energiespender als Ausgleich findet.


WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin?

Jos-Reto Bernet: Wenn es um ernsthafte Projekte geht ist dies eine tolle Sache und soll weiterhin unterstützt werden.


WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!