Interview mit Kai Glatt

Inhaber, The Rokker Company AG, Widnau




WTT YLA: Sie sind heute Inhaber der Unternehmung The Rokker Company AG in Widnau. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion?

Kai Glatt: Mein Tätigkeitsfeld ist sehr breit und ich darf eigentlich alle möglichen Funktionen in einem Unternehmen ausüben. Aber meine Haupttätigkeiten beinhalten die Leitung der Administration, der Finanzen, des Marketings sowie die komplette Produktüberwachung. Zusammen mit meinem Geschäftspartner machen wir auch die Produktentwicklung zum grössten Teil selbst. Auch die Geschäftsentwicklung weiter voran zu treiben ist ein wesentlicher Bestandteil meines Jobs – und natürlich auch einer der schönsten.


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen?

Kai Glatt: Vor allem die Textilproduktion bringt immer wieder ziemliche Herausforderungen mit. So sind z.B. eine pünktliche Lieferung immer nur mit sehr viel Einsatz und Kontrolle möglich.
Auf der anderen Seite ist natürlich auch die Weiterentwicklung der Firma eine sehr grosse Herausforderung und so diskutieren täglich mit diversen Interessensgruppen über verschiedene Ausbaumöglichkeiten und neue Projekte, um diese danach abwägen und entsprechend entscheiden zu können.


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen?

Kai Glatt: Nach meinem Studium an der FH bin ich zuerst einige Wochen surfen gegangen und habe danach einen Monat auf dem Bau gearbeitet. Dies hat mir dann doch ziemlich deutlich aufgezeigt, wieso ich die FH absolviert habe (die Red: er schmunzelt). Aber meinen ersten „richtigen“ Job nach dem Studium bekam ich bei einer Snowboardfirma. Für die hatte ich im letzten Studienjahr auch meine Einzeldiplomarbeit geschrieben. Danach war ich rund 3.5 Jahr bei der Firma Bühler AG als Exportfinanzierungsspezialist tätig, worauf ich dann beim IFJ Institut für Jungunternehmen gearbeitet habe. Da hab ich mich dann auch definitiv mit dem „Unternehmervirus“ infiziert.


WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten?

Kai Glatt: Ich würde sagen, dass ich eigentlich schon mein Leben lang immer offen war für Neues und dieses auch immer wieder explizit gesucht habe. Es war mir immer wichtig, dass ich einen Job hatte, der mir mehr gab als nur ein Einkommen, nämlich auch Spass, Entwicklungsmöglichkeiten und persönliche Befriedigung. Deshalb entspricht meine Berufslaufbahn auch nicht unbedingt einer klassischen Karriere eines FH-Absolventen.


WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen?

Kai Glatt: Definitiv gab es in den letzten Jahren immer wieder Stolpersteine, aber glücklicherweise keine, die mich bzw. uns zu Fall gebracht haben. Grad die Textilbranche ist manchmal ziemlich unberechenbar. Nur ein Beispiel: Vor rund zwei Jahren ist unsere Hauptlieferantin kurz vor Lieferung Konkurs gegangen. Wir mussten dann mit allen Unterlieferanten einzeln an den Tisch sitzen und teilweise grad Cash auf den Tisch legen, damit die an unserer Produktion weitergearbeitet haben. Schlussendlich sind wir mit einem Monat Verspätung noch mit einem blauen Auge davon gekommen.


WTT YLA: Sie haben 2001 das FHS-Studium Betriebsökonomie Vollzeit absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt?

Kai Glatt: Ein damaliger Lehrer hat das sehr treffend formuliert: „Fähigkeiten und Fertigkeiten“. Ich musste teilweise ziemlich viel lernen, um den Stoff irgendwie in den Griff zu kriegen. Dafür musste man zuerst lernen, auf einiges zu verzichten und ich glaube, dass dies eine der grössten und wichtigsten Lehren war, die ich aus dem Studium mitgenommen habe – wenn man ein Ziel erreichen will, schafft man es auch, aber man muss auch bereits sein, dafür auf Dinge zu verzichten.


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen?

Kai Glatt: Da fällt mir definitiv nichts ein, denn ich glaube es musste alles so kommen wie’s gekommen ist – mit den guten wie auch den schlechten Erfahrungen. Evtl. würde ich heute noch ein bisschen länger surfen gehen, da ich seither nie mehr die Gelegenheit hatte, so lange am Stück Urlaub zu machen (die Red: er lacht).


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft?

Kai Glatt: Praxisbezug, Praxiserfahrung und die Vermittlung von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Aber ich glaube mit dem Ansatz der verschiedenen zu schreibenden Praxisprojekten ist die FH St. Gallen seit Jahren auf dem richtigen Weg.


WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben?

Kai Glatt: Ich würde behaupten, dass grundsätzlich ein gesunder Menschenverstand einen sehr weit bringen kann.


WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin?

Kai Glatt: Der Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist für mich sehr zentral, um ein praxisnahes und dementsprechend ein sinnvolles Studium zu ermöglichen. Deshalb sehe ich in dieser Plattform eine ideale Austauschmöglichkeit und die ideale Werbeplattform diesen Austausch auch gegen aussen kund zu tun.

Den Studierenden gibt dies die Möglichkeit, das gelernte Wissen auf den Praxisgehalt zu prüfen und der Wirtschaft die Möglichkeit mit der FH in Kontakt zu treten und zudem praxisrelevante Themen, für die man im täglichen Alltag normalerweise keine Zeit hat, an Studierendenteams zu outsourcen und somit neue Inputs von neutralen Personen für die Weiterentwicklung zu erhalten.



WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!