Interview mit Michael E. Nägeli

Unternehmer/Inhaber, Mirabit GmbH Web & IT Solutions, Güttingen


WTT YLA: Sie sind heute Inhaber der Unternehmung Mirabit GmbH Web & IT Solutions in Güttingen. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion?

Michael E. Nägeli: Einerseits bin ich Geschäftsführer und kümmere mich einen grossen Teil der Zeit um unsere Kunden – konkret bedeutet das die Kundenpflege, die Führung von Projekten sowie die Akquisition von neuen Kunden und Projekten. Da wir uns immer noch in einer Aufbauphase befinden, ist die Zusammenstellung unseres Teams ebenfalls eine der Kern-Tätigkeiten.
Andererseits bin ich Mit-Inhaber und lege gemeinsam mit den anderen beiden Gesellschaftern die Strategie für die kommenden Jahre fest.


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen?

Michael E. Nägeli: Die Rekrutierung von geeigneten Mitarbeitenden gestaltet sich schwieriger als gedacht. Wir haben unser Büro im Thurgau am Bodensee – was wohl eine schöne Lage ist, den Rekrutierungsradius aber einschränkt.


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen?

Michael E. Nägeli: Begonnen hat es anfangs 90er-Jahre als ich die „Nägeli Informatics Productions“ gegründet habe – als 17jähriger habe ich gemerkt, dass ich mit meinem IT-Wissen Geld verdienen konnte und habe Privat-Kunden PCs eingerichtet, Word-Dokumente gedruckt (ich hatte damals als einer der Ersten einen Farbdrucker) und Schulungen gemacht. Die Lehr- und Wanderjahre nach dem Militär habe ich in der Firma meines Vaters als Informatik-Supporter begonnen und in der Werbe- und Internet-Agentur Koch & Bachmann in Frauenfeld fortgesetzt. Die Sporen konnte ich dann in der grössten Internet-Agentur Namics AG in St. Gallen abverdienen – das war zum berufsbegleitenden Studium eine optimale Ergänzung. Mit dem Abschluss meines Studiums 2003 habe ich dann entschieden, voll auf die eigene Firma zu setzen, was ich dann auch umgesetzt habe.


WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten?

Michael E. Nägeli: Sicherlich ist meine Faszination für die Informatik einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren – 1985 habe ich einen IBM AT Computer in die Finger bekommen und das hat mich nie mehr losgelassen. Zudem hatte ich das Glück, über meine Verwandtschaft, mein Netzwerk und Empfehlungen an Kunden zu gelangen, für die ich jeden Tag gerne arbeite.


WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen?

Michael E. Nägeli: Das Wachsen einer Firma von einer Person auf ein Team von 5 Personen stellt immer wieder neue Herausforderungen dar. Sachen, die für mich selbstverständlich sind, müssen neu definiert und festgelegt werden, damit wir gegen aussen als eine Firma auftreten.


WTT YLA: Sie haben 2003 das FHS-Studium Betriebsökonomie mit Schwerpunkt Unternehmensführung und Wirtschaftsinformatik absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt?

Michael E. Nägeli: Im Nachhinein bin ich für das breit gefächerte Studium sehr dankbar. Eine kleine Anekdote dazu: Nur zu gut kann ich mich noch daran erinnern, dass ich den Nutzen des Fachs Schuldbetreibungs- und Konkursrecht überhaupt nicht einsehen wollte – jetzt setzen wir Projekte für die Konkursämter des Kantons Zürich und für die SchKG-Vereinigung um.


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen?

Michael E. Nägeli: Mir kommt nichts in den Sinn, was ich im Nachhinein anders machen würde. Vielleicht etwas mehr Zeit ins Lernen investieren? (lacht)


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft?

Michael E. Nägeli: Spontan kommt mir da die Praxisorientierung in den Sinn. Als Zweites finde ich Flexibilität und Leistungswille wichtig – wir sind nicht mehr in der Lage alles im Studium zu lernen, was für dann benötigen. Und als Drittes durfte ich ja selbst erfahren, dass eine breit gefächerte Ausbildung später von grossem Nutzen sein kann.


WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben?

Michael E. Nägeli: Mir persönlich sind Freundschaften wichtig – so habe ich mit vielen Kommilitonen noch heute – bald 10 Jahre nach dem Abschluss – Kontakt!


WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin?

Michael E. Nägeli: Die vorhin angesprochene Praxisorientierung wird in solchen Projekten wirklich gelebt. Spannend für mich als Alumnus ist zu sehen, wie die Studierenden diese Herausforderungen anpacken!


WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!