Interview mit Pascal Zürcher

Mitglied der Geschäftsleitung und CMO, ticketportal AG, St.Gallen




WTT YLA: Sie sind heute Mitglied der GL und CMO bei der Unternehmung ticketportal AG in St.Gallen. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion?
Pascal Zürcher: In meiner Funktion verantworte ich die Bereiche Sales- und Marketing bei ticketportal. Unsere Marketing-Aktivitäten unterteilen wir in die Bereiche B2B und B2C, unsere Sales-Aktivitäten setzen sich aus den klassischen Massnahmen wie Kundenpflege und Neukunden-Akquisition zusammen. In der Marketingabteilung versuchen wir nebst Medienarbeit, der Pflege unseres Vertriebskanals oder sales-unterstützenden Tätigkeiten auch die neuen Medien wie Facebook oder Twitter zu pflegen, sei es im B2B- oder B2C-Umfeld. Zusätzlich habe ich Einsitz in unserer dreiköpfigen Geschäftsleitung, alle wichtigen Entscheidungen werden in diesem Gremium oder in der erweiterten Geschäftsleitung gefällt. Gleichzeitig tauschen wir uns in der Geschäftsleitung regelmässig mit unseren Kollegen in unseren Schwester-Niederlassungen in Nord- und Südamerika, aber auch in ganz Europa aus.


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen?
Pascal Zürcher: Unsere Branche geht mit der Zeit und fordert uns stark im Bereich Technologie und Innovation: Zum einen müssen wir unsere Ticketing-Software laufend weiterentwickeln und den neuesten Technologien anpassen, zum andern beschäftigen uns neue Trends und mögliche Innovationen tagtäglich: Ab welchem Zeitpunkt sind NFC-Mobiles massentauglich und lösen somit alle Prozessschritte von der Bestellung, der Bezahlung bis zum Verspeichern des Barcodes in einem Medium? Findet der Hype um Facebook und alle anderen sozialen Netzwerke einen Abbruch oder müssen wir uns noch intensiver mit Social Media beschäftigen?
Zusätzlich zur Technologie beschäftigt uns sicherlich der erhöhte Konkurrenzkampf in unserer Branche. Verschiedene Firmen peilen eine 360°-Vermarktung an und möchten dadurch ihre Wertschöpfungskette verlängern.


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen?
Pascal Zürcher: Als ich September 2003 bei ticketportal startete, wurden die ersten Veranstalter mit unserer neuen Software ausgerüstet. Leider kämpften auch wir nach dem Rollout mit Kinderkrankheiten. Ich wurde mit der neu geschaffenen Stelle als Product Manager damit beauftragt, alle Kundenanforderungen zu kanalisieren, einzuplanen, zu spezifizieren und nach erfolgter Entwicklung an die Kunden zu übergeben. Gleichzeitig beschäftigte ich mich mit Business Development und war mitverantwortlich für die strategische Ausrichtung unseres Produkts. Nach drei Jahren wurde ich mit der Stelle als CMO (Chief Marketing Officer) beauftragt, im Jahr 2010 erfolgte der Aufstieg ins dreiköpfige Geschäftsleitungsgremium.


WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten?
Pascal Zürcher: Den Einstieg bei ticketportal ermöglichte mir ein persönlicher Kontakt zum damaligen Marketingleiter. Den Werdegang innerhalb der Unternehmung verdanke ich meines Erachtens meinem Einsatzwillen, meiner Sozialkompetenz und meinem Schulrucksack. Von Vorteil ist sicherlich auch mein Ur-Interesse an Neuem, seien es neue Herausforderungen, neue Projekte aber auch mein Interesse an Menschen und ihren Geschichten, die sie schrieben oder schreiben.


WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen?
Pascal Zürcher: Rückblickend gab es keine echten Stolper- respektive Prüfsteine, obwohl man das in der jeweiligen Situation teilweise anders einschätzt. Mein beruflicher Werdegang hat sich so ergeben, ohne dass ich diesen explizit geplant oder in dieser Form angestrebt habe. Anscheinend bin ich als Sonntags- auch ein Glückskind. Ich darf in einer sehr spannenden Branche tätig sein, die Veranstaltungsbranche ist äusserst dynamisch und von Emotionen geprägt.


WTT YLA: Sie haben 2003 das FHS-Studium Betriebsökonomie Vollzeit absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt?
Pascal Zürcher: Zum einen sicherlich die Generalisten-Ausbildung, welche mir auch heute noch in der Geschäftsleitung zu Gute kommt. Man kennt sich nicht nur in seinem Fachgebiet (in meinem Fall meine Studienvertiefungsrichtung Marketing- und Verkauf) aus, sondern kann auch im Bereich Finanzen aber auch Informatik die jeweiligen Chancen und Gefahren, aber auch Herausforderungen richtig einschätzen. Zum andern habe ich lange Zeit von den Praxisprojekten profitiert: Nebst dem strukturierten Vorgehen lernt man auch in der Gruppe zielgerecht zu arbeiten.


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen?
Pascal Zürcher: Ich darf auf eine sehr schöne Studienzeit zurückblicken mit Freundschaften, die bis heute anhalten. Ändern würde ich wohl einzig den Umstand, dass ich ein Austauschsemester einschalten würde. Nicht nur der Sprache wegen, sondern auch aufgrund des Umstandes, dass Reisen bildet und Erfahrungen fürs Leben gemacht werden.


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft?
Pascal Zürcher: 1. Die FH muss weiterhin darauf achten, dass der Praxisbezug nicht verloren geht. Dies ist der meines Erachtens der wichtigste USP gegenüber den Universitätslehrgängen. 2. Trotz der erfolgreichen Einführung der Bologna-Reform muss darauf geachtet werden, dass die eigentliche Modularisierung der Studiengänge nicht zum Bumerang wird. 3. Die ständig wachsende Anzahl an Studierende wird die Hochschulen vor allem hinsichtlich der Wahrung der derzeitigen Qualität fordern.


WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben?
Pascal Zürcher: Für privates aber auch berufliches Wohlbefinden muss die viel zitierte Work-Life-Balance meines Erachtens im Gleichgewicht sein. Persönlich erachte ich eine glückliche, gesunde und intakte Familie sowie gute Freundschaften als grösstes Glück und als besonders wichtig für mein Leben. Diese Life-Seite darf trotz eines hektischen Arbeitsalltags nie nachstehen.


WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin?
Pascal Zürcher: Dieser Event bringt eine erhöhte Aufmerksamkeit für die Arbeit der jeweiligen Studierenden und dient als zusätzliche Motivationsspritze für die jeweiligen Teams. Zusätzlich sorgt er aber auch für die nötige Publizität der Praxisprojekte, so dass die breite Öffentlichkeit Kenntnis von der wertvollen Arbeit nimmt, die die FHS aber auch das WTT in diesem Umfeld leistet.


WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!