Interview mit Urs-Peter Wüstemann

Geschäftsführer, wüma AG, Malans




WTT YLA: Sie sind heute Geschäftsführer und Mitglied des Verwaltungsrates bei der Unternehmung wüma AG in Malans. Was sind die wesentlichen Tätigkeiten in Ihrer Funktion? 

Urs-Peter Wüstemann: Da wir ein Kleinstunternehmen sind beschäftige ich mich mit allem eingehend. Im strategisch/taktischen Bereich liegen meine Schwerpunkte im Marketing. Dies reicht von der Analyse bis zur operativen Umsetzung und beinhaltet u.a. das erstellen des jährlichen Marketingplans, die Planung der einzelnen Massnahmen sowie deren konkreten Umsetzung unter beizug von Lieferanten und Aushilfskräften. Ein konkretes Beispiel, das mich in den nächsten Monaten begleiten wird, ist die Umsetzung einer Online-Strategie. Diese haben wir 2012 mit einer BATH angefangen zu entwickeln. Die nächsten Schritte sind die Auswertung der BATH sowie treffen der ersten Massnahmen (voraussichtlich Facebook-Präsenz). Im weiteren geht es um die Neugestaltung und –ausrichtung unserer Website sowie den Aufbau eines Webshops. Und schon haben wir eine Brücke zur IT, die auch in meinen Aufgabenbereich fällt. Im Weiteren bin ich operativ im Verkauf und der Beratung unserer Kunden tätig und erledige auch einen Teil der Administration, wie Buchhaltung führen oder die Fakturierung. 


WTT YLA: Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrem Job, die Sie aktuell beschäftigen? 

Urs-Peter Wüstemann: Wachstum mit extrem beschränkten Ressourcen zu generieren. Wenn man nicht einen hohen fünfstelligen oder sogar sechsstelligen Betrag zur Verfügung hat, muss man kreativ sein, machbare Lösungen finden und natürlich auch ein Quäntchen Glück haben. Die grösste Herausforderung mit diesen Voraussetzungen ist sicher, einen professionellen Job zu machen und dabei die Ressource Zeit optimal einzusetzen


WTT YLA: Über welche Stationen sind Sie zu dieser heutigen Funktion aufgestiegen? 

Urs-Peter Wüstemann: Nach der FHS bin ich direkt für ein Jahr nach Pittsburgh an die Robert Morriss University gegangen, um den MBA zu erwerben. Eine Erfahrung, die mir bis heute hilft. Einerseits im Umgang mit der Industrie, also grösseren Organisationen, andererseits sind es aber auch ganz einfache Lehrsätze von Dozenten, die mir geblieben sind. 
Anschliessend bin ich über mein Netzwerk für drei Monate zu Rhomberg Schmuck gekommen und habe dort eher theoretisch an einem Konzept für ein Franchise-Modell gearbeitet. Die angebotene Stelle hat mir dann aber nicht zugesagt. 
Die weitere Stellensuche war dann schwierig. Über einen Kontakt in einem RAV-Kaderkurs bin ich zur Solenthaler Recycling in Gossau gekommen. Ich habe mich dort vorwiegend um den Bereich des Elektronikschrotts gekümmert. Dort habe ich auch erlebt, wie befriedigend es ist, sein eigener Chef zu sein und seine eigene Philosophie des Geschäftens umzusetzen. 
Somit war es dann nur noch ein paar gründliche Überlegungen weit bis zur Übernahme des elterlichen Betriebs. Und dabei haben mir sowohl die Erfahrungen aus Amerika als auch diejenigen Erlebnisse aus den Stellen sehr geholfen. 



WTT YLA: Was waren wichtige Erfolgsfaktoren, die Ihnen diese berufliche Laufbahn ermöglichten? 

Urs-Peter Wüstemann: Wille, Disziplin, die Auswahl der nächsten Herausforderung, Bescheidenheit und Arroganz. Es gibt Menschen, die sind Unternehmer. Sie haben bereits während des Studiums eine Karriere – als Angestellter oder Selbständiger. Im Sport sind das diejenigen, die einfach der Beste oder die Beste sein wollen. Ich hingegen suche mir eine Aufgabe vor der ich Respekt habe und nicht sicher bin, ob ich sie erfolgreich bewältigen kann. Das braucht Wille, sich der Aufgabe zu stellen. Bescheidenheit, damit mit Disziplin daran gearbeitet wird. Und natürlich die Arroganz: Ja, ich kann das! 


WTT YLA: Gab es auch Stolpersteine, die Sie grad noch umkurven konnten oder über welche Sie gar fielen? 

Urs-Peter Wüstemann: Ich habe mich wohl zu sehr untergeordnet und zu wenig meine Philosophie für andere Unternehmen eingesetzt. Aber schlussendlich war genau diese Erkenntnis ausschlaggebend für meinen letzten Karriereschritt. 


WTT YLA: Sie haben 2003 das FHS-Studium Betriebsökonomie Vollzeit absolviert. Was explizit aus dieser Studienzeit glauben Sie hat Ihre Laufbahn mitbegünstigt? 

Urs-Peter Wüstemann: Die Auseinandersetzung mit der höheren Denkstufe im Unternehmen sowie das vernetzte Denken. Egal auf welcher Stufe, ein guter Arbeiter versteht was von ihm erwartet wird; versteht warum er eine Arbeit erledigt, welchem Ziel sie dient; was an der Schnittstelle von ihm erwartet wird und diese so reibungslos wie möglich gestaltet. Kausalnetzwerke in seinem Kopf erstellen zu können, hilft dabei ungemein. 


WTT YLA: Wenn Sie das Rad der Zeit in Ihre FHS-Zeit zurückdrehen und nochmals durchstarten könnten. Was würden Sie anders machen? 

Urs-Peter Wüstemann: Ich würde mehr Einsatz geben, mehr für diese Aufgabe (das Studium) leben! Man tendiert im Studium, diejenigen Fächer höher zu gewichten, die interessant und in denen man gut ist. Heute würde ich mehr Einsatz zur Reduktion meiner Schwächen geben. 


WTT YLA: Sie dürfen Anforderungen an eine Fachhochschule formulieren. Welche drei halten Sie aktuell für unabdingbar mit dem Ziel leistungsfähiger FH-Absolventen für die heutige Wirtschaft? 

Urs-Peter Wüstemann: Meine Anforderungen an die FHS: 
1. Die FHS bildet die praktische Wirtschaftselite aus. D.h. Praxis vor dem Studium nicht noch weiter kürzen, besser wieder aufstocken (2 Jahre nach der Lehre), und Förderung von persönlicher, praktischer Arbeitsleistung während des Studiums. Provokativ gefragt: Wo sind die Start-ups von FHS-Absolventen? 
2. Durchsetzung eines absoluten Qualitätsstandards. Assessment nach dem ersten Studienjahr mit dem Ziel 30% des Jahrgangs nicht in das zweite Studienjahr zu promovieren? Logisch betrachtet ein Unsinn. Wer die hohen Qualitätshürden meistert, soll weiter kommen, wer nicht, eben nicht! Eine Aussortierung von Talenten nur wegen eines Prozentsatzes ist nicht zielführend. Genau so wenig sinnvoll ist es, die Qualitätshürde wegen dieses Prozentsatzes zu senken. 
3. Schaffen einer Kultur, in der Einsatz, Leistung und Erfolg belohnt werden. Zu oft wird in der Bildungslandschaft von allen Beteiligten negativ argumentiert. Studenten und Schüler wollen nicht durchfallen. ETH-Exponenten bezichtigen Kantonsschulen einer schlechten Ausbildung. Der Young Leader Award z.B. ist ein kleines Mosaikstück, um eine positive Kultur zu schaffen, wenn dessen Gewinnern von der Wirtschaft, der Gesellschaft und den Mitstudenten mit Bewunderung und einer Prise Neid begegnet wird. 



WTT YLA: Was betrachten Sie heute besonders wichtig in Ihrem generellen Leben? 

Urs-Peter Wüstemann: Anhaltende Freundschaften zu hegen und zu pflegen! 



WTT YLA: Noch eine letzte Frage: Der WTT YOUNG LEADER AWARD ehrt die besten Studierendenteams aus den Praxisprojekten und verbindet Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Studierende, jeweils in der Tonhalle und via Social Media. Welchen Wert sehen Sie darin? 

Urs-Peter Wüstemann: Wie bereits zuvor gesagt: Der Young Leader Award ehrt Leistung. Er sollte damit die kommenden Anwärter anspornen, ebenfalls nach ihrer Bestleistung zu streben. Die Gewinner wissen, welchen Einsatz es dazu gebraucht hat. Darüber sollten sie mit jedem reden, der danach fragt. Da wären wir wieder bei Willen, Disziplin, Bescheidenheit und Arroganz. Schlussendlich muss über den Award und die damit verbundenen Leistungen gesprochen werden, daraus ergibt sich sein Wert. 


WTT YLA: Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin privat und geschäftlich alles Gute!